Asthma oder etwa doch nicht?!?

Abends halb-elf im Land der Eidgenossen. Kurz vor der Nachtruhe im Pikett-Zimmer (Bereitschaftszimmer) keimte in mir das Verlangen nach einer „Gute-Nacht-Zigarette“.

Ich mach mich also „ausgehfein“ (Haustelefon, Pager, Diensthandy ….. eingesteckt), hüpfe in die Rettungs-Schluffen und begebe mich Richtung Balkon als dann tatsächlich mein Pager (Piepser) losheult. „D1, Asthmaanfall, Kind“. Nun gut, die Zigaretten wieder weggesteckt und losgetrabt Richtung Rettungswagen.

Anfahrt mit Blaulicht Navigation klappte wunderbar. Der Vater des Jungen empfängt uns auf der Strasse und auf den weiteren 50m zum Haus werfen wir schonmal ein paar Fragen in den Raum.

Ansprechbar?                                                          Yep!

Atmet er?                                                                   Yep!

vorher schonmal Asthma gehabt?                  Nö!

Allergien bekannt?                                                Nö!

irgendwelche Medis genommen?                    Nö!

Nun gut wir treffen bei also dann bei dem Sohnemann ein. Er ist 16 Jahre alt , sitzt schweinchenrosa und hechelnd wie ne mexikanische Wüstenspringmaus nach nem Halb-Marathon in seinem Zimmer und klagt über kribbelnde Finger und Lippen. Also weg vom Asthma hin zur Hyperventilation. Gleichzeitig lag ein mir nicht unbekannter süßlicher Duft in der Luft den ich aber erstmal unterbewusst verdrängte, ist ja schließlich auch im Land der Eidgenossen verboten das Drogenzeugs. Alles halb so schlimm und nach ein wenig beruhigendem Zuspruch mit der „Tüte“ vorm Gesicht (Gott rückwirkend betrachtet „Tüte vorm Gesicht“….. herrlich) wurde die Atmung wieder Normofrequent und alle waren glücklich. Schwups da war der „süße Duft“ wieder im Bewusstsein und das geschulte Auge entdeckte einen Freund des 16 -jährigen der grinsend und  breit wie ne 4-Spurige Autobahn in der Ecke stand ;o) Also lenkten wir die Fragestellung mal weg vom Asthma hin zur Drogeninduzierten Hyperventilationstetanie. Der Blick des Juniors zu seinen Eltern sprach Bände. Der Blick der Eltern ala´“Was? Wie? Drogen! Unser Sohn doch nicht! Niemals“ ebenfalls.

Kurzer böser Blick zum breiten grinsenden Kumpel mit der Bitte mal kurz zu uns herunter zu schweben und tacheles zu reden.

Lange Rede kurzer Sinn: Es fielen böse laute Worte unter Androhung massiver erzieherischer Massnahmen…..Es flossen reichlich tränen……Und ein 16-Jähriger Junge bezahlte seinen ersten Joint im Kinderzimmer mit ner Nacht auf der Kinderintensiv und jeder Menge Ärger.

Dumm gelaufen!

Viele Grüße

Sven aka Winny

~ von paramedic78 - Mai 20, 2009.

2 Antworten to “Asthma oder etwa doch nicht?!?”

  1. Ola!

    Als alten Hanfaktivisten interessiert mich sehr, was eine „drogeninduzierte Hyperventilationstetanie“ genau ist und, vielleicht noch wichtiger, was Betroffene bzw. Ersthelfer dagegen tun können.

    Wär doch gelacht, wenn man die Freunde, Alters- und „Leidens“genossen des armen Tütenatmers nicht aufgeklärt kriegen würde.

    Mit hanfigen Grüßen
    Steffen

  2. Hi Steffen,

    kurze Erläuterung der Fachbegrifflichkeiten. Siehe auch Wikipedia….

    Bei einer Hyperventilation (von Griechisch ὑπέρ „über“ und Lateinisch ventilare „fächeln“) handelt es sich um eine über den Bedarf gesteigerte Lungenbelüftung. Sie geht mit einer Abnahme des Kohlenstoffdioxid-Partialdruckes (CO2) und einem pH-Anstieg (respiratorische Alkalose) im Blut einher. Eine Hyperventilation kann sich als Störung der Atemregulation aus psychischen oder körperlichen Gründen ereignen.

    Eine Hyperventilation ist eine Störung der Atemregulation, die meist psychisch bedingt ist. Starke Affekte wie Angst, Panik oder Erregung, aber auch Schmerzen oder Depressionen können zu einer beschleunigten Atmung führen.

    Charakteristischerweise treten Gefühllosigkeit und Missempfindungen (Parästhesien, als „Ameisenlaufen“ empfunden) auf, begleitet von Verkrampfungen der Hände („Pfötchenstellung“) und Lippen („Karpfenmaul“),

    m Vordergrund der Behandlung einer akuten Hyperventilation steht eine Beruhigung des Betroffenen mit der Anleitung zu bewusst langsamer und verminderter Atmung. Wenn dies aufgrund von Angst und Erregung nicht möglich ist, ist eine Rückatmung (in eine Plastik- oder Papiertüte bzw. eine Hyperventilationsmaske) angezeigt.

    Drogeninduziert bedeutet „durch den Konsum von z.B. THC ausgelöst“.

    Sagen wir mal so, das Jüngelchen hat nach seinem ersten Joint wahrscheinlich ein wenig Panik bekommen und schon ging die rasante Fahrt los. In solchen Fällen Ruhe bewahren und Rettungsdienst alarmieren.

    Viele Grüße

    Sven aka Winny

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