Ein ereignisreiches Wochenende II

Es begab sich an besagtem Wochenende eine Patientin einer nahen psychiatrischen Klinik ans Fenster Ihres Zimmers um sagen wir mal ein bißchen frische Luft zu schnappen. Besagte Patientin hatte sicher keineswegs vor Ihre suizidalen Gedanken in die Tat umzusetzen deswegen konnte man ihr Fenster, wie so ziemlich viele Fenster in dieser psychiatrischen Klinik voller suizidaler Patienten, komplett öffnen.

Unsere Patientin bekam anscheinend nicht genug von der frischen Luft, lehnte sich ein bißchen weit aus dem Fenster und Plumps lag sie unten. Nach einem kurzen 5-Meter-Flug und einem heftigen Bremsvorgang mit dem Gesicht machte sie durch lautes Schreien und Stöhnen auf Ihr „Malheur“ aufmerksam. Durch die lauten Schreie der Omi trat der „Notfalldienst“ der Geistesanstalt in Form eines „Facharztes“ für Psychiatrie in Erscheinung. Unser Dr. Mortis (Name selbstverständlich geändert) erkannte die Not und die eingeschränkten unfallchirurgischen Möglichkeiten besagter Psychoklinik und alarmierte den Pflasterlaster.

Vorhang zu neue Szene:

Krankenwagenfahrer Winny und seine treue Gefährtin lümmeln am Frühstückstisch rum als der kleine Piepser unaufhörlich bimmelt.

Meldung: Sturz aus dem Fenster in der nahen Psychoklinik. Anfahrt mit Posthorn der Akademiker ist auch informiert.

Mein erster Gedanke geht in Richtung Déjà-Vu weil ich sowas in selbiger Einrichtung doch schonmal hatte. Meiner treuen Gefährtin ging es wohl ähnlich weil auch sie schonmal einen solchen Einsatz in dieser Geistesanstalt hatte. Also Posthorn ein und los…

Vorhang zu neue Szene:

Unterhalb eines Fensters finden Krankenwagenfahrer Winny und seine treue Gefährtin so ziemlich das komplette Personal besagter Psychoklinik incl. Dr. Mortis und der gefallenen Patientin. Kurzer Überblick und es ist klar:

  • Mittelgesichtsfraktur mit SHT
  • Becken kaputt
  • Bein Kaputt
  • Weiterhin ist die Gute natürlich Marcumar-Patientin und irgendwas mit dem Herzen hat sie auch achja und sie hat ne !! Depression !!

Wir bestellen also als allererstes mal die Gelben Engel und versuchen die Zeit bis zum Eintreffen des Bodendoktors sinnvoll zu überbrücken. Dr. Mortis hatte schon gute Taten vollbracht und unserer Omi einen rosa zugang gelegt der gemächlich vor sich hin dröppelte, zwei Ampullen Tramal waren auch schon in der Omi drin und dreisterweise schrie sie immer noch vor Schmerzen. Ein kurzer Blick auf die Vitalparameter verriet uns, dass unsere Omi in irgendeiner Art und Weise auszulaufen schien. Folglich wurde das rosa Infusiönchen mal gaaaaaaaaanz weit aufgedreht und ich machte mich daran unserer Oma zusätzlich noch was größeres zu verabreichen. Das gefiel aber unserem Dr. Mortis gar nicht weil unsere Patientin ja kardial vorbelastet sei und bei dieser Vorerkrankung Volumen ja eher kontraindiziert wäre. Nach „kurzer“ Diskussion konnte unser Dr. Mortis davon überzeugt werden, dass das kleine Herzchen unserer Omi bald gar nichts mehr zu pumpen hätte wenn jetzt hier nicht ein wenig flüssiger Nachschub folgen würde. Meine Bitte um ein richtiges Schmerzmittel wurde dagegen komplett überhört. Zwischendurch fingerte unser Dr. Mortis ständig an den Infusionen rum und verringerte kontinuierlich unseren „flüssigen Nachschub“ und es war eine Heidenarbeit die Patientin und den Psychiater unter Kontrolle zu behalten.

Vorhang zu neue Szene:

Unser Bodendoktor betritt die Bühne. Wir sind gerade dabei eine kurze Übergabe zu machen und erzählen was von Mittelgesichtsfraktur als sich Dr. Mortis der Notfallpsychiater zu Wort meldet. Das sei ja so nicht ganz richtig, die Omi hätte keine Mittelgesichtsfraktur sondern nur eine Prellung! Mein Bedauern an unsere Omi wenn ihr Gesicht schon vorher so ausgesehen haben sollte, das würde aber den Wunsch nach dem Freitod plausibel erklären können. Ich hab den Gedanken noch nicht ganz ausgedacht da meldet sich unser Dr. Mortis wieder zu Wort und meint, dass im Moment die größte Priorität doch mal auf der Klärung der Frage „Warum ist sie denn gesprungen?“ liegen sollte. Vor meinem geistigen Auge sah ich mich schon in einer offenen Gesprächsrunde mit den Mitpatienten ala´ Hallo zusammen, mein Name ist Winny und ich bin gerade verwirrt.

Lange Rede kurzer Sinn der Hubschrauber kam und die Omi wurde dann endlich weggeflogen, diesmal hoffentlich ohne Bruchlandung.

Für drei der am Einsatz beteiligten Kollegen war das jeweils unabhängig voneinander der zweite Fenstersprung in dieser Klinik. Summasummarum sind wir somit schon bei vier Springern, dazu kommen noch die Springer aus den Erzählungen der anderen Kollegen. Natürlich hab ich mal einen von den Pflegern gefragt warum man denn in einer Psychiatrischen Klinik (mit geschlossenen Abteilungen) die Fenster öffnen kann und als Antwort kam nur „Wir wollen die Patienten ja nicht wegsperren.“ Jetzt frag ich mich, warum man in fast allen „normalen“ Krankenhäusern hier in der Gegend die Fenster oberhalb des Erdgeschosses nicht öffnen sondern nur Kippen kann???

Auf diese Frage werd ich wohl keine Antwort mehr bekommen.

 

Bis dann

 

Sven aka Winny

~ von paramedic78 - August 20, 2008.

3 Antworten to “Ein ereignisreiches Wochenende II”

  1. Warum die Fenster offen sind?
    Ganzh einfach, die Beasagte Klinik hat bestimmt ein Abkommen mit diversen Krankenkassen.
    Wer früher stirbt kostet wenig ergo Sozialverträglich!

  2. ROFL, wir wollen sie ja nicht einsperren auf einer geschlossenen. Echt mal ne geile Antwort 😉

  3. Allllllllsooooooo ich kenne gleichwertige „Institutionen“ in unseren Breitengraden ….und da gibts sogar noch Gitter vor den Fenstern …. das nenne ich Geschlossen …. 😉

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